Wir stellen vor

Sibylle Laubscher

Sibylle Laubscher ist Künstlerin mit Hand, Seele und Verstand. Beim Malen verfolgt sie das „Reinheitsgebot“ (wie beim Bierbrauen): Sie baut von Grund auf alles selbst auf – sie fängt Bewegungen mit Pinsel und Tusche ein und arbeitet sie dann zu Zeichnungen und Ölbilder aus.

Salz + Kunst: Kommt Kunst von Können?

Sibylle Laubscher: Kunst kommt nicht von Können. Die Griechen, welche noch keinen Begriff von Kunst in unserem Verständnis hatten, sprachen von téchne und meléte, was so viel heißt wie: Sorgsamkeit des Besorgens.
Dann gibt es in Nordeuropa den Begriff kunan, was so viel wie “Botschaft” heisst. Kunst hat immer eine Botschaft, die über sich selbst hinausweist. Oder wie Paul Klee sagte: „Kunst macht das Unsichtbare sichtbar.“

Salz + Kunst: Wer bestimmt deiner Ansicht nach, was Kunst ist?

Sibylle Laubscher: Niemand, denn Kunst, bzw. das Kunstwerk ist nie per Definition entstanden. Ein Künstler muss Kunstwerke machen, sonst ist er kein Künstler. Wenn Leonardo da Vinci nur Ideen hätte, wäre er kein Künstler gewesen.
Wenn alles Kunst ist, dann haben wir keine Kunst mehr. Kunst wird von Menschen für Menschen gemacht – ganz im Sinne von Salz + Kunst – und nicht für Museen.

Salz + Kunst: Für welches Publikum malst du?

Sibylle Laubscher: Das Publikum gibt es nicht in der Kunst, vielleicht beim Fussball oder beim Stierkampf. Es gibt immer nur ein persönliches Verhältnis von Werk und Rezipient (Betrachter). Dieses Verhältnis beruht auf Kunsterleben und Kunstverstehen. Dieser ganz individuelle Erkenntnisprozess darf durch nichts von aussen gestört werden. Darum funktioniert das Konzert im Garten so gut – alle haben sofort ein Erlebnis und werden berührt.

Salz + Kunst: Was würdest du dir von Seiten der Kunstrezipient*innen wünschen?

Sibylle Laubscher: Ein Kunstwerk ist ein offenes Zeichensystem und damit offen für alle Deutungen, sofern es Wohlgefallen erzeugt (wie das Konzert von Dill&Kraut) und den Betrachter in seinem Inneren berührt (was offensichtlich passiert ist). So ist ein Kunstwerk immer auf den präsenten und tätigen individuellen Geist des Gegenübers angewiesen und wo dieser nicht lebendig gelebt wird, kann kein Kunsterleben stattfinden. Oder wie Angelus Silesius sagt: „Ist der Mensch müssig, dann begreifet ihn die Sache“ oder Arthur Schopenhauer, der sinngemäss sagt, man müsse sich einem Kunstwerk gegenüber verhalten, wie man sich einer hochgestellten Persönlichkeit gegenüber verhält. Das heisst, man hat abzuwarten, bis das Werk sich einem mitzuteilen beginnt. Die Kräfte, die der Künstler dem Werk gab, offenbaren sich dem Betrachter, der sich aller Spannungen entledigt hat und den Willen beiseitelässt.

Und der Betrachter muss ein Kunstwerk auch erleben lernen – am besten durch einen Lehrer. Das wird leider viel zu wenig gemacht. Jeder von uns ist mit Kunst in sich geboren – aber wir werden nicht ausgebildet, Kunst auszuüben, noch genauer: Formen zu bilden. Das können Gesellschaftsformen, das Miteinander, bis hin zu Kunstformen, das Kunstwerk, sein.

Sibylle Laubscher auf Salz + Kunst

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